Feminenza in Israel

Vorstandsmitglieder

Edna Cohen Mazliah
Vorstandsvorsitzende

Dror Assia
Vorstandsmitglied

Galit Gazit
Schatzmeisterin

Julie Arbel
Vorstandsmitglied

Esther Bar-El
Verantwortliche für den Bereich Erziehung

Feminenza Israel – Veranstaltungen und Workshops

Gendergerechte Erziehung und die Rolle der Vergebung in der Bildungsbegegnung

Ein einjähriger Kurs für Lehrer am Gordon Teachers Training College in Haifa, Israel.

von Prof. Dr. Hanna Shachar, Doktorandin in Pädagogik und Sozialpsychologie und Leiterin des M.Ed.-Programms, und Esther BarEl, B.A. in Philosophie und Verantwortliche für den Bereich Erziehung bei Feminenza International.

Überall vernimmt man den Ruf nach einem neuen Bildungsansatz, der unserer Jugend dazu verhilft, moralische Stärke zu erlangen und ein Rückgrat für mehr Menschlichkeit, Werte und Qualitäten zu entwickeln. Es gibt ja eine Vielzahl an brennenden Problemen, die an unsere Tür klopfen. Wir haben uns erst einmal entschieden, unsere Schüler zu ermutigen, zwei solcher Themen anzugehen: den Genderrespekt und das Verständnis über Vergebung im Bildungssystem.

Wir leben in einer Zeit beispielloser Veränderungen. Bei der Bewältigung der massiven Informationsüberflutung und der Vielzahl an Netztechnologien können wir nicht erahnen, wie die Zukunft aussehen wird. Wir haben sogar Schwierigkeiten, das Offensichtliche zu erkennen, was vor unseren eigenen Augen liegt. Grundlegende Konzepte verlieren schnell an Bedeutung und Relevanz. Folglich besteht im Bildungsbereich die Notwendigkeit, elementare traditionelle Konzepte wie Lernen, Intelligenz, Denkmuster, Erfolg und Misserfolg usw. zu überprüfen. Dies zieht den Boden unter Füßen von vorherrschenden Definitionen von sogenannten „Errungenschaften“ weg und schafft die Forderung nach einem gründlichen Überdenken und Aktualisierung des Bildungswesens, einschließlich der unausweichlichen Frage: Wie sollen wir dann unsere Lehrer ausbilden?

Die Technologien führen zu erheblichen Veränderungen im Gehirn von Kindern und Erwachsenen(1), so sehr, dass wir den Überblick darüber verlieren, wer und was wir sind. Es stellt sich die entscheidende Frage: Wer sind die Kinder, wir erziehen, und wer sind ihre Lehrer? Diese Frage wird im pädagogischen Alltag oder in der Ausbildung nicht gestellt. Wenn wir uns allerdings unserer gegenwärtigen Realität stellen, können wir diese Frage nicht länger vermeiden oder ignorieren –  insbesondere wenn wir bei der Erziehung von Menschen hinsichtlich einer unsicheren Zukunft besser gerüstet und effektiver sein wollen.

Unser Fokus liegt also auf der Forderung nach tieferen Verständnissen und Selbsterfahrung: "sich selbst zu kennen" und herausfinden, was der wahre Wert eines jeden menschlichen Lebens ist. Wir setzen an einem Kernproblem an, nämlich dass die Bildungssysteme es versäumen, dem wahren Potenzial und den wahren Chancen, das m jeder Mensch mit auf die Welt bringt, Berechtigung und Wert zu verleihen.

Daher wurde dieser M.Ed. Kurs entwickelt, um eine Grundlage für ein tieferes und breiteres Selbstbewusstsein zu schaffen – was eine unverzichtbare Voraussetzung für Veränderung und Entwicklung ist – und in dem den Studenten neue Ausdrucksmöglichkeiten und Wissen, neue Wahrnehmungen und Werkzeuge zur Verfügung gestellt werden, mit denen sie grundlegende pädagogische und psychologische Konzepte neu bewerten und ihre Werte und Ansichten überdenken können. Dies geschieht, indem man sich auf zwei Themen konzentriert, die im Kopf und im Herzen engagierter Pädagogen noch ihren Platz finden müssen - Genderrespekt und Vergebung.

Im ersten Semester werden die Wahrnehmung und Einstellung zu Geschlecht behandelt - unserem Geschlecht und dem der Kinder. Außerdem wird die zentrale und allgegenwärtige Rolle untersucht, welche die Geschlechteridentität in unserem Leben spielt. Das erste Etikett, das wir von Geburt an erhalten, lautet "Junge" oder "Mädchen", und es bringt gewichtige soziale, religiöse und historische Überzeugungen, Einflüsse und Konditionierungen mit sich. Erst in den letzten hundert Jahren wurden diese untersucht und in Frage gestellt, was zu den vielen Veränderungen führte, deren wir heute Zeuge sind. Deshalb müssen wir auf eine neue, unbelastete Art und Weise herausfinden und lernen, worin die natürliche Entwicklung eines jeden Geschlechts besteht, um einen wahren Wert, Ausdruck und Respekt für die Geschlechter zu kultivieren.

Der Kurs bietet neue Erkenntnisse über die Beschaffenheit des Menschen, damit die Teilnehmer erkennen, dass wir nicht "eine Sache" sind, sondern aus verschiedenen Leben bestehen und durch verschiedene Lebensphasen gehen – vom Baby über das Kleinkind bis hin zum/r weisen alten Mann bzw. Frau. Mit jeder Lebensphase und jedem Anteil gehen unterschiedliche Merkmale und Neigungen einher, und jeder Einzelne ist gefordert, jeden einzelnen Teil zu entwickeln und sie alle nach seinem einzigartigen Lebensziel und Lebenszweck auszurichten.

Das zweite Semester befasst sich mit einem Thema, das in der Lehrerausbildung bis heute keine Anerkennung und ernsthafte Berücksichtigung gefunden hat, nämlich der Rolle und dem Platz der Vergebung, sowohl persönlich als auch beruflich, im Bildungsbereich.

Die pädagogische Realität keinen vergebungsorientierten Umstand, da sie darauf beruht, alle Kinder nach einem Kriterium zu messen, nämlich der Leistung in standardisierten Prüfungen. Die Tatsache, dass sich Menschen voneinander unterscheiden, dass jedes Individuum etwas Besonderes und Einzigartiges ist, wird im Bildungssystem nicht in die Praxis umgesetzt. Die Bildungsrealität besteht aus Prüfungen, Strafen, Wettbewerb und einem endlosem Vergleich zwischen Kindern, Klassen, Schulen und Ländern.

In Wirklichkeit besteht der Entwicklungsprozess eines Menschen fast ausschließlich aus Versuch und Irrtum. Das bedeutet, dass wir alle – wir alle, Kinder und Erwachsene – bei jedem Fehler, Defizit oder Misserfolg, immer wieder einen Neuanfang und eine neue Chance brauchen. Hierin liegt die tiefe Bedeutung von Vergebung - Neuanfänge, neue Möglichkeiten, den Entwicklungsprozess fortzusetzen, ohne von Fehlern, Misserfolgen, Peinlichkeiten, Schuldgefühlen und ihren psychologischen Folgen eingeschränkt zu werden oder besessen zu sein.

Der Kurs taucht ein in Feminenzas „Sieben Säulen der Vergebung: Verstehen, Freiheit, Heilung, Wärme, Aufwertung, Hoffnung und Kontinuität. Da die Kinder heutzutage in einer chaotischen, technologischen Welt leben, die für uns schwer verständlich ist, muss sich die Pädagogik darauf konzentrieren, die genannten grundlegenden, dauerhaften, natürlichen menschlichen Werte als Plattform für innere Stärke und Vertrauen zu stärken(2). Unsere Hoffnung besteht darin, dass es mehr Lehrer in der Bildungslandschaft gibt, die bessere und nachsichtigere Sichtweise und Einstellung gegenüber dem Potenzial und Entwicklungsfähigkeit der Schüler haben.

Der Kurs fand zwischen 2013 bis 2016 bereits dreimal statt und wurde von insgesamt 65 israelischen M.Ed-Studentinnen besucht. Alle Teilnehmer (80 % jüdisch (ca. 80%), arabisch und drusisch) sind bereits Lehrer und machen eine Weiterbildung zum pädagogischen Berater.

Der Kurs wird von Prof. Dr. Hanna Shachar, Ph.D. in Pädagogik und Sozialpsychologie, Leiterin des M.Ed. Programms „Lehren und Lernen, abgehalten: Die Mentorenausbildung für Lehrer am Gordon College of Education, Haifa, und die Planung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit Esther BarEl, B.A. in Philosophie, und Entwicklerin für Erziehung bei Feminenza International.

Der Kurs wurde mit außergewöhnlichem Interesse und Begeisterung aufgenommen. Es folgen ein paar Erfahrungsberichte:

Danke für ein Semester tiefer Einblicke in mich und meine Welt.... Ich hätte nie gedacht, dass es so ablaufen würde und dass ich "der Hauptakteur" sein würde. In jeder Klasse durchlief ich eine innere Reise, die zu meiner persönlichen, zwischenmenschlichen, emotionalen und beruflichen Entwicklung beitrug.

A. M., 52 Jahre

Es ist wichtig, bewusst und entschlossen dafür zu sorgen, uns nicht so sehr von der Realität, die auf schnelle Reaktionen drängt, beeinflussen zu lassen. Ich habe verstanden, dass mein "höheres Selbst" in meiner aktuellen Lebensphase aufgrund meiner Lebenserfahrung intelligent genug sein wird, in den unterschiedlichsten Situationen die Dinge nicht persönlich zu nehmen und  aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

N. R., 51 Jahre

Ich verstehe, dass die heute getroffenen Entscheidungen aus verschiedenen Blickwinkeln aus getroffen werden können.... und aus professioneller Sicht verstehe ich, dass man in der Erziehung alle Teile des Selbst einbeziehen muss.

M. V., 32 Jahre

Dieser Kurs hat mir in erster Linie ein Verständnis vermittelt, warum ich so schnell handle und reagiere und wie ich langsamer werden und eine Situation aus mehreren Blickwinkeln betrachten kann. Das habe ich ausprobiert, und es war unglaublich! Das ganze außergewöhnliche und bedeutsame Wissen, das wir in diesem Kurs erworben haben, wird nirgendwo anders vermittelt und ist so wertvoll. Es ist erstaunlich, wie präzise und echt das Wissen ist, das wir gelernt haben,.

H. Z., 38 Jahre

Aus beruflicher Sicht ist dieser Kurs ein Muss für alle Pädagogen auf der ganzen Welt. Wir sind dadurch bessere Frauen geworden – weniger verurteilend, verständnisvoller und sachkundiger – und deshalb auch bessere Lehrer, da wir mehr über uns selbst und unsere Schwächen im Klaren sind. Aus diesem höheren Selbstbewusstsein heraus können wir die Entwicklungsstufen unserer Schüler besser einordnen und ihnen dadurch helfen, bessere Entscheidungen zu treffen und andere Erfahrungen zu sammeln....

Dieser Kurs ist einzigartig. Seine Inhalte sollten für alle Pädagogen auf der ganzen Welt und für die Menschheit im Allgemeinen verbindlich sein. Er war bewegend und bereichernd und hat mein Denken herausgefordert und mich inspiriert. Er veranlasste mich, "die Box zu verlassen", meine Denkmuster zu verändern und zu versuchen, das Gelernte in meinem Leben umzusetzen. Was für ein großartiges Geschenk!!!

A. O., 45 Jahre

Kontakt

 

(1) Hanson, R. (2013) Hardwiring Happiness. NY: New York, Crown Publishing Group.
Doige, N. (2015) The brains way of healing: Remarkable Discoveries and recoveries from the frontiers of neuroplasticity. New York: Penguin Random House LLC.

(2) Kaku, M. (2014) The Future of the Mind. New York: Stuart Krichevsky Literary Agency, Inc.